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Sex: Schluss mit „Nebensache“! Warum wir unsere Sexualität ernst nehmen sollten.

Sex stärkt das Immunsystem. Sowohl die Ausschüttung der körpereigenen Lusthormone als auch das Aufmischen der Bakterienfauna von Haut und Schleimhäuten haben deutlich messbare Effekte auf unsere Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern aller Art.

Volker Schmidt ist systemischer Paartherapeut und Autor von „untervögelt – Macht zu wenig guter Sex uns hässlich, krank und dumm?“. Für unseren Blog fasst er zusammen, was die wissenschaftliche Forschung uns über die Auswirkungen unseres Sexuallebens zu berichten weiß. Unsere Gesundheit und Lebenserwartung, unsere Attraktivität und Beziehungszufriedenheit, sogar unsere Intelligenz und Sozialkompetenz – sie alle werden beeinflusst vom Wohl oder Wehe in unserer Sexualität. Volker Schmidt lädt uns dazu ein, unsere Haltung gegenüber dem Thema „Sexualität“ im Lichte der Erkenntnisse aus Medizin und Biologie, aus Psychologie und Beziehungsforschung von Grund auf neu zu überdenken.

Vielleicht sollte ich gleich zu Beginn einräumen, dass mein eigener Start in die Erfahrungswelten des Eros alles andere als selbstbewusst oder gar souverän verlaufen ist. Mein Blick auf mich selbst, das Leben und die Welt war geprägt worden in einem familiären Umfeld, in dem die Themen „Sexualität“ und „Gefühle“ von beklommenem Schweigen bestimmt waren. In der Welt, in der ich aufwuchs, rangierte sexuelle Lust irgendwo zwischen „Sünde“ und „niederem Trieb“. Sie war etwas, das zwar nicht lautstark verteufelt, doch aber auf subtile Weise grundlegend abgelehnt, verleugnet und verschwiegen wurde. Was die Sexualität allerdings nicht davon abhielt, mich wieder und wieder aufzusuchen und auf das Heftigste aufzuwühlen.

Wie gerne würde ich das Experiment wagen, diesen Weg noch einmal neu von vorne zu beginnen. Diesmal jedoch ausgestattet mit all dem, was ich inzwischen über unsere menschliche (und meine ganz persönliche) Sexualität gelernt und erfahren habe. Dieser Wunsch wird mir voraussichtlich unerfüllt bleiben. So Gott will jedoch, können die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die ich in meinem Büchlein vorlege, meinen Kindern und anderen Menschen dabei sehr nützlich sein, sich selbst und ihre Liebespartner auf eine neue Art und Weise anzublicken und zu erkennen.

Jeder, so scheint es, hat eine Meinung zum Thema Sex. Wenn wir die Selbstüberzeugung und Wortgewalt zu Grunde legen, mit der die meisten von uns Auftreten, wenn’s um Fragen der Sexualität geht, dann sind wir ein Land der Experten. Umso seltsamer also, dass so viele Menschen unzufrieden sind mit der eigenen Sexualität.

Ich habe mich in die Tiefen wissenschaftlicher Forschung eingewühlt, weil ich wissen wollte, wie es wirklich ist. Ich wollte wissen: Welche Rolle spielt unsere Sexualität wirklich in unserem Leben? Welche Auswirkungen hat es, wenn Menschen eine erfüllende oder eben nicht erfüllende Sexualität erleben. Die Antworten, die ich gefunden habe, haben es in sich.

Stellen wir uns also nun der Frage: Was macht Sex mit uns?

Guter Sex festigt die Liebe!

Paare, die ihre Sexualität wichtig nehmen, sich austauschen darüber und Freude haben am Spiel mit der Lust, zeigen sich in psychologischen Befragungen durch die Bank als glücklicher in ihrer Beziehung, zufriedener mit dem Liebespartner, einander gegenüber wohlwollender und deutlich bereiter dazu, Dinge zu tun, die ihrem oder ihrer Liebsten gefallen.

Je offener und bewusster Paare mit dem Thema „Sex“ umgehen, desto geringer ist darüber hinaus ganz naturgemäß die Gefahr von Seitensprüngen oder anderen Akten des Loyalitätsbruchs. Die Belege sind eindeutig: Für die Stabilität, Tiefe und Intensität unserer Liebesbeziehungen ist Sex alles andere als eine „schöne Nebensache“. Sie ist sondern geradezu der Motor, der unsere gegenseitige Anziehung am Laufen hält!

Guter Sex hält gesund und fit!

Frau beim Yoga
Photo by Dominik Wycisło on Unsplash

Sex stärkt das Immunsystem. Sowohl die Ausschüttung der körpereigenen Lusthormone als auch das Aufmischen der Bakterienfauna von Haut und Schleimhäuten haben deutlich messbare Effekte auf unsere Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern aller Art.

Das heißt natürlich: So lange wir nicht Empfänger oder Überträger hässlicher Krankheiten sind, von denen einige mit Vorliebe von Schleimhaut zu Schleimhaut wandern. Dies ist also keine Einladung zu unbedachter Promiskuität. Sondern ganz im Gegenteil die Aufforderung, sehr genau zu wählen, mit wem wir die wilden Weiten unserer Sexualität teilen wollen – und mit wem nicht. Dieser Rat jedoch gilt nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus emotionalen Gründen.

Fakt bleibt: Wer häufig Sex hat, erleidet deutlich seltener einen Herzinfakt oder Schlaganfall. Dasselbe gilt für verschiedene Arten von Krebs. Auch Kopf-, Nacken und Rückenschmerzen, sogar Migräne, treten bei Menschen mit einem regen Sexualleben deutlich seltener auf. Ein erfülltes und erfüllendes Sexleben steigert also gleichermaßen unsere Lebenserwartung wie Lebensqualität.

Sollte das noch nicht Grund genug sein:

Guter Sex macht schön!

Leidenschaftlicher und lustvoller Sex ist immer eine Mischung zwischen Yoga und Ringkampf. Mal ein wenig mehr von dem einen, mal ein wenig mehr von dem anderen. Die wechselnden Bewegungen und Körperhaltungen beim Sex dehnen unseren Körper und halten ihn geschmeidig und fit. Sex aktiviert den Fluss der Lymphe. Hierdurch werden Schadstoffe und Abfälle beschleunigt aus den Zellen abtransportiert.

Östrogen und Testosteron, unsere wichtigsten Sexualhormone, wirken nicht nur luststeigernd, sondern erfrischen Haut und Haar und Muskulatur. In meinem Buch zitiere ich aus einer wissenschaftlichen Studie, der zu Folge Menschen, die häufig Sex haben, auf Fotos um bis zu zehn Jahre jünger geschätzt werden als sie es tatsächlich sind. Wenn das nicht mal ein Beauty-Effekt ist, der sich sehen lassen kann…!

Aber Sex kann noch mehr:

Guter Sex macht klug!

Frau mit Büchern
Photo by Ava Sol on Unsplash

Dies sind die in meinen Augen erstaunlichsten Effekte eines glücklichen Sexuallebens. Guter Sex lässt in unserem Gehirn nicht nur neue Nervenverbindungen wachsen, sondern auch massiv neue Nervenzellen. Dieser Effekt wurde bei Ratten und Menschen beiderlei Geschlechts nachgewiesen und konnte auch durch Tests der kognitiven Fähigkeiten eindrücklich bestätigt werden.

Sex macht schlau, doch nicht nur. Er öffnet auch unser Herz.

Guter Sex macht sozialkompetent!

Nicht nur Testosteron und Östrogene fluten unseren Körper beim Sex, auch Oxitozyn sprudelt durch unsere Blutbahnen. Oxitozyn wird auch das „Liebeshormon“, „Kuschelhormon“ oder „Harmoniehormon“ genannt. Menschen mit einem hohen Level an Oxitozyn zeigen sich immer wieder als empathischer, sozialkompetenter und resistenter im Umgang mit Stress als jene Mitmenschen, die nur wenig Oxitozyn im Blut haben.

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass Menschen, die eine erfüllte und glückliche Sexualität erleben, es bedeutend einfacher damit haben, auch ihren Mitmenschen mit Mitgefühl und Offenheit zu begegnen. Der Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt: Je besser der Sex, desto leichter fällt uns die Nächtenliebe!

All das Vorgesagte lässt sich in einen einzigen Satz fassen: Sex, guter Sex, nährt und stärkt so ziemlich alles, was wir im Allgemeinen für gut und wertvoll, für richtig und wichtig halten. Lassen wir uns den Geschmack dieser Erkenntnis einen Augenblick lang auf der Zunge zergehen. Spüren wir ihm nach und lassen ihn wirken. Was sagt uns all das über unsere Sexualität?

Was sagt es uns über Gott?

Nach seinem Bilde schuf er sie…

Der „Gott“, von dem mir in Kindertagen erzählt wurde, hatte mit Sex nicht viel am Hut. Im Gegenteil! Jener „Gott“ in den Geschichten meiner Kindheit (der übrigens stets als eindeutig männlich dargestellt war!) bestrafte das Annehmen der eigenen Lustgefühle auf’s Heftigste. Heute weiß ich, dass diese Geschichten nicht dazu dienen sollten, Gottes Willen auf Erden zu verwirklichen, sondern nur dazu, die Unbeholfenheit und Scham einer Generation, die nie gelernt hatte, ihre eigene Sexualität zu ehren, zu verschleiern und zu rechtfertigen.

Heute weiß ich: Wenn Gott, allwissend, allmächtig und gütig (darin sind wir uns doch einig, oder?), uns Menschen erschaffen hat, dann hat er oder sie uns ganz erschaffen, mit allem, was wir sind. Wenn Gott es war, der oder die uns erschaffen hat, dann war auch er/sie es, der/die unsere Körper mit lustempfindlichen Organen ausgestattet hat – und darüber hinaus mit all den Drüsen und Rezeptoren, die es zwingend dafür braucht, damit unser Körper überhaupt in der Lage ist, sexuelle Lust zu produzieren (!) und zu empfinden. Und ganz sicher hat er oder sie sich, in seiner Güte, all diese Mühe damals nicht gemacht, um uns zu ärgern und uns zu verurteilen.

Interessanterweise können wir dieselbe Argumentationslinie auch auf die Evolution anwenden. Und kommen zum gleichen Ergebnis. Möglicherweise sogar haben die beiden hier gemeinsame Sache gemacht. Wäre das nicht eine wahrhaft frohe Botschaft?

In meinem Buch, unter der Überschrift „Liebt euch öfter! Liebt euch besser!“ stelle ich die Frage so:

„Wie, bitte, kann eine Sache, die gleichzeitig und so umfassend wie hier belegt der Gesundheit, der Schönheit, der Lebensfreude und nicht zuletzt dem Frieden der Menschen untereinander dienlich ist, gegen den Willen Gottes sein?“

Dort wie hier schließe ich an: „Auf die Antwort bin ich ehrlich gespannt.“

Im Handel:

untervögelt
Macht zu wenig guter Sex uns hässlich, krank und dumm?“

Buch ( 196 Seiten, Klappenbroschur)
erhältlich bei Fischer & Gann

Hörbuch (ungekürzte Lesung, 193min), gelesen von Frank Stieren,
erhältlich bei Steinbach Sprechende Bücher

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Volker Schmidt, Jahrgang 1976 ist Diplom-Umweltwissenschaftler, Heilpraktiker für Psychotherapie und NLP-Master (DVNLP). Seit 2008 arbeitet er als Systemischer Coach, Trainer und Mentor im Bereich Führung, Verhandlung und Unternehmenskultur. Seit 2010 berät er darüber hinaus Paare und Einzelpersonen aus ganz Deutschland in Fragen der Liebe, Partnerschaft und Sexualität.

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